Free Church Eschatology (German)

Last month at the fall conference of Weg der Versöhnung in Salzburg I gave a short presentation on “Free Church Eschatology”. Free church in this context is not a specific denomination but a collective term for mostly Evangelical, Pentecostal, and Charismatic churches in the German-speaking countries which are not part of the established Protestant (Lutheran and Reformed) churches.I quickly found that these free churches do not have a shared, official eschatology beyond that which is also expressed in the Apostles’ Creed: Christ will come again to judge the living and the dead.

So instead I described and then commented on what in my experience is the most commonly held view among free church Christians: the dispensational view as formulated by John Nelson Darby, refined and made popular beyond Darby’s Brethren movement by C.I. Scofield, and today popularly represented by the novels and movies of the Left Behind series by Tim LaHaye and Jerry Jenkins.

If you read German, here is the text of my presentation, together with some slides I used.

At the bottom is a link to the handout mentioned in the talk.


 

Eschatologie der Freikirchen

Präsentation von Wolf Paul beim Runden Tisch in Salzburg, November 2014.

Ich soll hier von der Eschatologie der Freikirchen erzählen.

Vor über einem Monat habe ich mir die Glaubensgrundlagen der in den Freikirchen in Österreich verbundenen Gemeindebünde angesehen, und bewege dieses Thema seither im Kopf.

Anfang der Vorwoche habe ich mich an den Computer gesetzt, und versucht, die Gedanken, die ich mir zu dem Thema gemacht habe, als Vortrag zu Papier zu bringen. Als ich die Einleitung fertig hatte, habe ich sie mir mal selbst laut vorgelesen (außer mir und unserer Katze war niemand zu Hause), und siehe da, das dauerte 20 Minuten. Mal sehen: 20 Minuten Einleitung, 30 Minuten Hauptteil, 10 Minuten Schlußfolgerungen, das ergibt eine Stunde. Leider sollen wir in einer halben Stunde bereits mittagessen, also weg damit, und von vorne angefangen – ich will ja hier nicht vor einem leeren Saal vortragen, während ihr unten das Essen genießt.

Im Sinne der geschlechtergerechten Sprache will ich vorausschicken, daß dort, wo es vernünftig erscheint, mit männlichen Wortformen auch Frauen und Mädchen gemeint sind und ich lediglich aus Gründen der flüssigen Sprache auf Binnen-I und ähnliche moderne Konstrukte verzichtet habe – weil Ihr Euch darüber sicher schon Sorgen macht.

Ich werde also nicht die Glaubensgrundlagen der Freikirchen mit Euch durchsehen, ihr habt die relevanten Abschnitte in den Handouts, nur soviel: die Aussagen zur Endzeit, zur Wiederkunft Jesu, sind sehr allgemein und unspezifisch gehalten. Sie sagen kaum mehr aus, als das “Apostolische Glaubensbekenntnis”: “Aufgefahren in den Himmel, …, von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.” Man kann also kaum von einer offiziellen, freikirchlichen Eschatologie reden. Nur in einem einzigen Dokument, dem der Elaia-Christengemeinden wird überhaupt das Wort erwähnt, und dort eher beiläufig, welches meiner Erfahrung nach die meistverbreitete Sicht der letzten Dinge unter freikirchlichen Christen charakterisiert: Entrückung.

Ich bin inzwischen seit 43 Jahren als Christ im freikirchlichen Umfeld unterwegs, 38 davon in Österreich, und ich habe nur höchst selten eine Predigt zum Thema Eschatologie, Endzeit, oder Wiederkunft Jesu gehört. Mein Bruder sagt, er hat vielleicht einmal eine solche Predigt gehört; was er in Erinnerung hat ist: “Das ist ein schwieriges Thema, mit vielen unterschiedlichen Meinungen, und wenn man was darüber sagt, tritt man damit sicher dem einen oder anderen auf die Zehen.” Wir können, glaube ich, davon ausgehen, daß das für die meisten freikirchlichen Christen in unserem Land zutrifft.

Was ist also “freikirchliche Eschatologie”, woher bekommen Christen in freikirchlichen Gemeinden, woher bekam ich eine Vorstellung davon, was geschehen wird, wenn Christus wiederkommt?

Drei Quellen:

  • Predigten zu anderen Themen, die die Wiederkunft Jesu, und zwar meist die Entrückung oder das Endgericht, nebenbei erwähnen
    Preacher
  • Die Scofield-Bibel – inzwischen ist auch die deutsche Ausgabe schon ein paar Jahrzehnte alt, und nicht mehr so verbreitet wir zu meiner christlichen “Jugendzeit.”
    ScofieldBibel
  • Bücher, die dieses Thema behandeln, und zwar inzwischen zumeist aus dem Englischen übersetzte Bücher, Romane oder populärtheologische Bücher, amerikanischer Autoren, wie Hal Lindsays “Late Great Planet Earth / Alter Planet Erde, wohin?” (das ist schon ein paar Jahrzehnte her), Frank Perettis “Finsternis”-Romane (auch schon älter) oder Tim LaHayes “Left Behind / Das Finale”-Romanserie, die auch bereits zweimal verfilmt wurde (2000 und 2014). Früher gab es auch noch einflußreiche deutsche theologische Standardwerke wie Erich Sauers “Der Triumph des Gekreuzigten,” aber inzwischen habe ich den Eindruck, daß die meisten freikirchlichen Christen ihre Eschatologie aus den erwähnten Quellen beziehen.

Books

Wie sieht diese Eschatologie aus? Hier ist eine kurze Zusammenfassung:

RaptureDisaster1. Die Entrückung, 1. Thessalonicher 4:16+17, Offenbarung 3:10. Die erste Schriftstelle beschreibt die Entrückung, die zweite ist eine der Begründungen, warum die Entrückung vor der Drangsal stattfinden wird. Eine andere Stelle, die oft damit in Verbindung gebracht wird, ist Matthäus 24:40+41, siehe auch das Lied von Larry Norman, das wir vorhin gehört haben, “I wish we’d all been ready”.

EmptySuitOLYMPUS DIGITAL CAMERAIn der Entrückung werden alle Jesus-Gläubigen von Anfang an bis zu diesem Zeitpunkt, also sowohl die bereits verstorbenen als auch die noch lebenden, “entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft.” Das Zitat stammt aus der Schlachter 2000 Übersetzung, die ich hier durchwegs verwende.

Mit der Entrückung der Gläubigen, denen der Heilige Geist innewohnt, wird dieser, “der welcher jetzt zurückhält,” der also Satan gewissermaßen einbremst, von der Erde weggenommen, und gleich darauf “wird der Gesetzlose geoffenbart werden” (2. Thessalonicher 2:7): der Antichrist.

Nach der Entrückung sind die Gläubigen beim Herrn im Himmel, und sind folgendermaßen beschäftigt:

  • Das Gericht der Gerechten, Offenbarung 19:6-9, wo es nicht um Errettung oder Verdammnis geht, sondern um Belohnung der Taten.
  • Das Hochzeitsmahl des Lammes, Offenbarung 19:7-9, wo die Gläubigen in weiße Gewänder gekleidet werden.
  • Die Vorbereitung auf Armaggedon, Offenbarung 19:11ff, wo die Gläubigen, erkennbar an ihren weißen Gewändern, als “die Heere des Himmels” identifiziert werden, die Christus auf weißen Pferden in die Schlacht folgen.

2. Auf die Entrückung folgt die Drangsal oder Trübsal oder Bedrängnis, je nach Bibelübersetzung. Sie ist laut Daniel 9:27 sieben Jahre lang und wird z.B. in Offenbarung 9 beschrieben, aber auch in der Ölbergrede Jesu in Matthäus 24. In Jeremia 30:7 ist die Rede von einer Zeit der “Drangsal für Jakob”, d.h. für Israel – auch ein Grund, warum angenommen wird, daß zu diesem Zeitpunkt die Entrückung bereits stattgefunden hat und die Gemeinde – aus den Nationen – also nicht durch die Drangsal geht.

Aber auch während der Drangsal werden wieder Menschen zum Glauben an Jesus kommen, teilweise durch das Zeugnis, das sie vorher gehört haben und das durch die Entrückun ihrer gläubigen Freunde bestätigt wurde, und teilweise durch den Dienst der zwei Zeugen (Offenbarung 11), deren Identität nicht ganz klar ist, die aber schließlich vom Antichristen getötet, und nach 3 ½ Tagen wieder auferstehen werden. Manche glauben auch, daß es sich bei den 144000 “versiegelten Knechten Gottes” aus allen Stämmen Israels um Juden handelt, die – auf wunderbare Weise von Gott zur Erkenntnis des Messias gebracht –- einen evangelistischen Auftrag haben werden, vor allem unter ihrem Volk. Alle Bibelstellen, die den Anschein erwecken, daß Gläubige durch die Drangsal hindurch müssen, beziehen sich daher entweder auf das Volk Israel oder auf diese Drangsal-Gläubigen, sowohl aus Israel als auch aus den Nationen, die erst nach der Entrückung bekehrt wurden.

Der Antichrist, dessen Auftreten die Drangsal einleitet, ist ein Mensch unter dem direkten Einfluß Satans, der sich als Retter der Welt präsentiert, und als erstes Israel einen Friedensvertrag bringt. Manche glauben, daß Israel während der ersten Hälfte der Drangsal in Frieden leben wird und den Tempel samt Opferkult wiedererrichten wird, denn in der Mitte der Drangsal wird der Antichrist den Frieden mit Israel brechen, die Opfer zu Yahweh verbieten, und ein Bildnis seiner selbst im Tempel in Jerusalem aufstellen. Daniel 9:27 beschreibt diesen “Greuel der Verwüstung”; diese Prophzeiung wurde zwar teilweise bereits im Jahr 167 v.Chr. durch Antiochus Epiphanes erfüllt, allerdings bezieht sich Jesus in Matthäus 24:15 darauf und setzt es in der Zukunft an. Offenbarung 13:14 schildert, wie der Antichrist ein Götzenbild seiner selbst aufstellt und fordert, daß es angebetet wird. Die darauf folgenden dreieinhalb Jahre sind die sogenannte “Große Drangsal”, wie sie Jesus in Matthäus 24:21 nennt.

3. Die Schlacht von Armaggedon oder Harmaggedon: Am Ende der Drangsal wird es zu einem Aufstand gegen die Herrschaft des Antichristen kommen, und eine Mischung aus dämonischen Mächten (Offenbarung 9, Offenbarung 16) und den “Königen des Ostens” wird sich im Tal von Meggido (“das Tal des Josaphat”, Joel 4:1+2) versammeln und die  “Mutter aller Schlachten” beginnt.

Am Höhepunkt der Schlacht greift Christus und das Heer des Himmels ein (Offenbarung 19:11-15) und besiegt den Antichrist und seine Heerscharen und die dämonischen Mächte.

4. Der Antichrist und der falsche Prophet (eine Art Johannes der Täufer des Antichristen), werden in den “Feuer- und Schwefelsee” geworfen, und auch Satan wird dort gebunden, und Christus richtet das Millenium, sein 1000-jähriges Reich, auf, in dem die Gläubigen mit ihm regieren werden, und in dem sozusagen paradisische Zustände herrschen.

Nach 1000 Jahren wird Satan, der während des Milleniums gebunden war, für kurze Zeit freigelassen, und wird einen Aufstand von Menschen, die während der Königsherrschaft Christi geboren wurden, sich ihm aber nicht unterwerfen wollten, anführen. Natürlich ist dieser Aufstand zum Scheitern verurteilt, und Satan wird für immer in den “Feuer- und Schwefelsee” geworfen.

5. Nun folgt das Endgericht, das “Gericht des großen, weißen Thrones”, beschrieben in Offenbarung 20:11-15, Matthäus 13:38-43 und Matthäus 25:31-46.

6. Schließlich werden Himmel und Erde verwandelt in “einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr” (Offenbarung 21:1). Die heilige Stadt, das himmlische Jerusalem, wird aus dem Himmel auf die Erde herabsteigen, und wird Gottes dauernde Gegenwart unter den Menschen sein: “Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.”

Das ist nur eine relativ kurze Zusammenfassung; es gibt viele Webseiten, vor allem im englischen Sprachraum, die diesen Ablauf der Ereignisse mehr oder weniger detailreich ausarbeiten.

Hier ist ein  Diagramm von Erich Sauer, dem langjährigen theologischen Mitarbeiter, Studienleiter, und zuletzt Missionsleiter des Missionshauses Wiedenest; aus Copyright-Gründen können wir es nicht in ausreichender Grösse, um es tatsächlich lesen zu können, verteilen. Es hängt hinten an der Wand, und eine Bezugsquelle ist im Handout.

Sauer

LeftBehindTimelineDas zweite Diagramm, in drei Teilen, das im Handout auch eher unleserlich rausgekommen ist, ist von der Website der Left Behind-Serie und enthält in der Mitte und auf der rechten Seite eine recht gute Darstellung der Abläufe nach dem Darby/Scofield’schen Endzeitmodell, und links die jeweils entsprechenden Bücher aus der Romanserie. Der Download-Link für ein lesbareres Exemplar ist auch im Handout.

Ein paar beurteilende Bemerkungen:

  1. Die eine, ganz positive Wirkung, die dieses Endzeitmodell (beziehungsweise, genauer gesagt, dieses Heilsplan-Modell, denn es umfaßt ja mehr als nur die Entrückung und was danach folgt) in der Kirchengeschichte gehabt hat, ist die Überwindung der Substitutionslehre in Bezug auf Israel und die Kirche. Lange, bevor die sogenannten “Großkirchen” anerkannt haben, daß Gott noch nicht mit Israel fertig ist, haben das die darbyistischen Brüdergemeinden und die von der Prophetiebewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts beeinflußten freikirchlichen Gemeinden in England und Amerika erkannt, und diese Sicht dann nach dem 2. Weltkrieg über Missionare und Literatur auch in unserem Sprachraum verbreitet.
  2. Dem gegenüber steht die Tatsache, daß dieses Modell, in dieser speziellen Ausprägung, relativ neuen Ursprungs ist: es wurde zuerst im 19. Jahrhundert von dem irischen anglikanischen Geistlichen John Nelson Darby formuliert, dem Begründer der Brüdergemeinden, und dann von dem amerikanischen Rechtsanwalt Cyrus Scofield, dem Herausgeber der Scofield-Studienbibel, weiterentwickelt. Mir stellt sich die Frage, warum vor Darby und Scofield niemand verstanden haben soll, was die Bibel in dieser Frage lehrt; es gehört schon etwas Arroganz dazu, soetwas von seinen eigenen Erkenntnissen anzunehmen.
  3. Ich persönlich halte es überhaupt für verfehlt, aus den biblischen Texten, die wir haben, einen derart detaillierten Ablauf zu konstruieren. Mir sind bei meiner Lektüre schon ziemlich viele, leicht unterschiedliche Modelle untergekommen (und es gibt im englischen einen eigenen Jargon dafür: pre-trib, mid-trib, post-trib, pre-mil, post-mil, a-mil), und bisher hatte noch jedes Modell das große Problem, daß es sich nicht mit ALLEN relevanten Schriftstellen harmonisieren läßt. In anderen Worten, KEIN Modell wird der ganzen Schrift gerecht. All das natürlich unter der Voraussetzung,, daß man diese Schriftstellen als wörtlich zu nehmende, faktische, detailgenaue Beschreibungen liest – was in vielen Fällen der Literaturgattung der biblischen Texte nicht entspricht. Apokalyptische Literatur ist eben kein Zeitungsbericht oder Gerichtsprotokoll; diese Feststellung ist keine Leugnung der biblischen Autorität und noch nicht einmal eine Leugnung der Irrtumslosigkeit der Schrift, weil es keinen Irrtum darstellt, wenn Autoren eine Genre-gerechte Erzählweise wählen.
  4. Jede allzu detaillierte Systematisierung der Endzeitereignisse widerspricht zumindest dem Geist der Aussage Jesu, daß niemand, nicht einmal der Sohn selbst, weiß, wann diese Dinge geschehen werden.
  5. GottesKalenderIch kenne wenige bis gar keine Menschen, bei denen die intensive Beschäftigung mit den Details der Endzeitereignisse zu einem heiligmäßigeren, Christus ähnlicheren Leben geführt hat. Wenn Ihr Euch dieses Diagramm anseht, welches von einer evangelikal-fundamentalistischen Randgruppe stammt, könnt ihr ermessen, wieviel Zeit und Energie manche Menschen in Dinge stecken, die nicht wesentlich sind – das ist Zeit, die dann für fruchtbringendere Dinge fehlt. Aber das kann man natürlich für viele unserer Steckenpferde sagen.
  6. Der Versuch, die Endzeitereignisse möglichst detailliert festzunageln, hat nicht zu vermehrter Evangelisation oder zu mehr Einheit unter den Christen geführt – eher im Gegenteil.
  7. Oft wird die Erwartung der Entrückung als etwas hingestellt, was uns zu größerer Bereitschaft, dem Herrn zu begegnen, animieren und motivieren soll. Das finde ich nicht stichhaltig: Entrückung oder nicht, ja sogar, Wiederkunft des Herrn oder nicht, egal in welcher Form: jeder von uns kann jederzeit sterben und muß dann auch bereit sein, dem Herrn zu begegnen.
  8. In Anbetracht dessen, was Christen derzeit in Ländern wie Syrien und Iraq, aber auch in Korea und anderswo erleben, scheint es mir eine Vogel-Strauss-Strategie, wenn sich Christen im Westen einreden, daß sie nicht durch die Drangsal müssen. Warum sollte uns erspart bleiben, was die Geschwister im Osten bereits erleiden? So leid es mir tut, das sagen zu müssen, und so sehr es manche meiner Freunde irritieren wird, für mich ist in dieser Hinsicht die “Entrückung vor der Drangsal” ähnlich von menschlichen Wünschen und Ängsten bestimmt, wie das “Health and Wealth”-Evangelium in Teilen der charismatischen Bewegung – beides sind “Wohlfühl-Botschaften”, geistliche Streicheleinheiten für Christen, die sich von der Realität des Lebens in einer erlösungsbedürftigen Welt abschotten wollen.
  9. Ich finde es auch problematisch, wenn Christen ihre Theologie – zu welchem Thema auch immer – aus Romanen beziehen, weil meine Erfahrung zeigt, daß die meisten Leser irgendwann nicht mehr unterscheiden können zwischen gesicherten biblischen Aussagen und den fiktiven, romanhaften Ausschmückungen in den Büchern, die sie lesen, oder den Filmen, die sie ansehen. In Anbetracht dessen, was ich bereits gesagt habe, plädiere ich natürlich nicht dafür, daß stattdessen Prediger und Pastoren mehr über die Details der Endzeitereignisse predigen sollen, wohl aber dafür, daß sie generell über die Wiederkunft als Hoffnung und letzte Vollendung predigen, und gleichzeitig auch gegen Spekulationen und den Bezug theologischen Wissens aus Unterhaltungsliteratur warnen.
  10. Und verallgemeinernd, von diesem Thema auf viele andere: Überall dort, wo in den Gemeinden versäumt wird, über ein Thema zu lehren, werden sich die Gläubigen ihr “Wissen” woanders holen. Das betrifft auch z.B. den Umgang mit Geld und materiellen Gütern, den Umgang mit Fremden, den Umgang mit diversen gesellschaftlichen und sozialen Randgruppen, mit der Politik im allgemeinen, usw. Und nicht immer werden die Quellen, aus denen sich die Gläubigen bedienen, so relativ harmlos sein wie “Das Finale”.

Ich hoffe, diese Ausführungen haben Euch aus den “Großkirchen” geholfen, zu verstehen, wovon wir Freikirchler reden, wen wir von der Entrückung reden, wenn zum Beispiel einer von uns total verstört ist, weil er gerade niemanden aus seinem gemeindlichen Umfeld erreichen kann und daher glaubt, die Entrückung hat bereits stattgefunden – ohne ihn. Lacht nicht, das ist eine gar nicht so seltene Schreckenserfahrung, vor allem auch unter unseren Jugendlichen, die in der Gemeinde aufgewachsen sind.

Und ich hoffe es hat uns Freikirchlern geholfen, Dinge bewußt zu machen, die vielleicht nicht zu unserer offiziellen Lehre gehören – die ja ohnehin von Freikirche zu Freikirche leicht unterschiedlich sein kann – die aber von vielen Menschen in unseren Gemeinden als selbstverständlich und eindeutig biblisch wahr- und angenommen werden. Nur über das, dessen man sich bewußt ist, kann man reflektieren – und unsere Theologie, unser Glaube soll ein bewußter, reflektierter Glaube sein.

Hier ist das Handout als PDF-Datei.

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